Alija Isakovic



BH-Akademiker-Alija IsakovicGeboren 1932 in Stolac, gestorben 1997 in Sarajewo – beigesetzt im Harem einer der schönsten Moscheen in Sarajewo – Ferhadija. Aufgewachsen in Internaten, durchwanderte  er  ganz Jugoslawien auf der Suche nach  Bildung und Wissen, von Bitunje und Stolac, über Zagreb, Crikvenica bis Pancevo und Belgrad. Ein Bosnier aus Herzegowina – und kein Herzegowiner, denn seiner Meinung  nach war die Herzegowina ein Produkt der Hochstaplerei Herzog Stjepans.  Alija Isakovic ist ein Schriftsteller des öffentlichen und gesellschaftlichpolitischen Lebens  innerhalb einer gesonderten bosniakischen Kultur und Literatur, und sein 1972  in Zagreb  veröffentlichtes Buch  „Biserje“, die Gegenantwort all den Nationalisten, bestimmte für alle Zeiten  das kulturelle, sprachliche und literarische Selbstbewusstsein und die Andersartigkeit des muslimischen Volkes in Bosnien und in Jugoslawien.

Er veröffentlichte eine große Zahl an Werken,  aus denen wir zwei hervorheben wollen: „Sonne auf der rechten Schulter“ und  „Der Aufstand“. 1996 organisierte die GBAA  in Wien  die Präsentation seines Buches „Die Anthologie des Bösen“, bei der Alija ermahnende Worte an die Anwesenden richtete: „ Merkt euch, dieser Krieg löschte und zermürbte zu Staub all das, was unser war, das Einzelne und das Gemeinsame und nichts wird mehr so sein wie es einmal war. Und auch nicht so, wie wir es uns  vorgestellt hatten…Niemand außer uns kann das verstehen…“
Alija Isakovic war einer der einführenden Rednern beim Ersten bosniakischen Kongress, abgehalten im belagerten Sarajewo am 27. und 28. September 1993, einem der wichtigsten Ereignisse in der modernen politischen Geschichte der Bosniaken. Seine Rede „welche es verdient, dass sich die Bosniaken hin und wieder an sie erinnern und die Ideen und Diagnosen Alija Isakovics nicht  dem Vergessen preisgeben dürfen“, begann mit Isakovics Hervorhebung des Kongresses als eines verantwortungsvollen Aktes. An die Anwesenden wandte er sich mit folgenden Worten: "...ich fühle nicht die Notwendigkeit euch oder mir unseren traditionellen Namen „Bosniak“, den Namen unserer bosnischen Sprache oder den Namen unseres Landes Bosnien-Herzegowina  zu erklären. Ich promoviere ihn nur als ein natürliches Recht auf Tradition…“
„Dieses Amt, in  dem ich vor euch stehe, sehe ich als Verantwortung. Wir haben nicht die Möglichkeit zwischen gut und gut zu wählen, sondern zwischen drei Bosheiten. Diese Verantwortung  impliziert weitgehende Auswirkungen, auch jene, die unmittelbar sein können…“

Alija Isakovic war einer der Mitbegründer der GBAA und einer jener Menschen, die sich um  die Anerkennung der bosnischen Sprache in Österreich verdient gemacht haben.