{"id":1055,"date":"2021-06-25T01:12:31","date_gmt":"2021-06-24T23:12:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bhakademiker.org\/?page_id=1055"},"modified":"2021-06-27T21:47:31","modified_gmt":"2021-06-27T19:47:31","slug":"bosnier-unter-den-osmanen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.bhakademiker.org\/de\/bosnier-unter-den-osmanen\/","title":{"rendered":"Bosnier unter den Osmanen"},"content":{"rendered":"<div class=\"vc_row wpb_row row\"><div class=\"wpb_column vc_column_container vc_col-sm-12\"><div class=\"vc_column-inner\"><div class=\"wpb_wrapper\"><h3 class=\"no-margin-top \" >Bosnien unter den Osmanen<\/h3>\n\t<div class=\"wpb_text_column wpb_content_element \" >\n\t\t<div class=\"wpb_wrapper\">\n\t\t\t<p><span style=\"font-weight: 400;\">Obwohl das\u00a0<\/span><b>K\u00f6nigreich Bosnien<\/b><span style=\"font-weight: 400;\">\u00a0bereits im Jahre 1463 von den Osmanen erobert wurde, wurden die n\u00f6rdlichen Territorien vom ungarischen K\u00f6nig Matthias eingenommen. Nachdem die Osmanen die ungarische Armee in der verh\u00e4ngnisvollen Schlacht von Moh\u00e1cs im Jahr 1526 zerschlagen hatten, wurden die Ungarn endg\u00fcltig vertrieben.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Obwohl Bosnien nun von Muslimen regiert wurde, verfolgten die Osmanen nicht vordergr\u00fcndig das Ziel, den dort lebenden Menschen den islamischen Glauben aufzudr\u00e4ngen. Vor allem wollten sie das Territorium unter osmanischer Herrschaft behalten.\u00a0 Menschen\u00a0<\/span><b>christlichen oder j\u00fcdischen<\/b><span style=\"font-weight: 400;\">\u00a0Glaubens war es nach wie vor erlaubt, ihre Religion auszu\u00fcben. Es war beispielsweise m\u00f6glich, dass ein Christ zum Spahi wurde, ohne auf seinen eigenen Glauben verzichten zu m\u00fcssen, solange er dem Osmanischen Reich gegen\u00fcber Loyalit\u00e4t bewies. Das osmanische Feudalsystem wurde \u00fcbrigens von Anfang an auf Bosnien \u00fcbertragen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Jeder sogenannte\u00a0<\/span><b>Sand\u017eak<\/b><span style=\"font-weight: 400;\">\u00a0war zwar eine gro\u00dfe und wichtige Region des Osmanischen Reiches, zugleich aber selbst eine Unterteilung des Eyalets, der gr\u00f6\u00dften konstituierenden Einheit des Reiches. Der erste Sand\u017eak, der nach der Eroberung Bosniens gegr\u00fcndet wurde, war Bosnien selbst, mit Verwaltungssitz zun\u00e4chst in\u00a0<\/span><b>Sarajevo (bis 1553)<\/b><span style=\"font-weight: 400;\">, danach in\u00a0<\/span><b>Banja Luka (bis 1639)<\/b><span style=\"font-weight: 400;\">, dann wieder in\u00a0<\/span><b>Sarajevo (bis in die 1690er Jahre)<\/b><span style=\"font-weight: 400;\">\u00a0und schlie\u00dflich in\u00a0<\/span><b>Travnik<\/b><span style=\"font-weight: 400;\">.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Der Sand\u017eak von Zvornik im Nordosten wurde etwas sp\u00e4ter errichtet, sowie der Sand\u017eak der Herzegovina im Jahre 1470. Diese und weitere Sand\u017eaks in den Nachbarl\u00e4ndern bildeten bis 1580 das Eyalet von Rumelia, bis schlie\u00dflich die Entscheidung gef\u00e4llt wurde, dass aus ihnen ein neues Eyalet \u2013 n\u00e4mlich das Eyalet von Bosnien \u2013 geschaffen werden soll. Dadurch entstand eine Einheit, die das heutige Bosnien und Herzegovina, sowie einige benachbarte Teile Slawoniens, Kroatiens, Dalmatiens und Serbiens umfasste.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Mittlerweile ist bekannt, dass die Ankunft der Osmanen im 15. Jahrhundert wohl nicht den ersten Kontakt zwischen Bosnien und dem Islam darstellte. Nichtsdestotrotz offenbaren die sogenannten Defter aus jener Zeit, dass der Prozess, durch den die MuslimInnen in Bosnien zu einer Mehrheit wurden, um die 150 Jahre w\u00e4hrend der Osmanischen Herrschaft andauerte. Aus diesem Grund erweisen sich einige Theorien \u00fcber die \u201eIslamisierung\u201c Bosniens schlichtweg als falsch. Darunter fallen beispielsweise die Idee einer systematischen Massenansiedlung von MuslimenInnen von au\u00dferhalb und die Idee einer gewaltsam erzwungenen Massenkonvertierung in den fr\u00fchen Jahren nach der Eroberung. Obwohl jene Art von Zeugnissen fehlt, welche die pers\u00f6nlichen Intentionen der Menschen bez\u00fcglich der Konvertierung offenbaren w\u00fcrde, existieren Kommentare, die zeigen, dass die Menschen aus freien St\u00fccken konvertierten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Jene St\u00e4dte, welche die Sitze der Sand\u017eak-begs wurden, wie etwa Banja Luka, Travnik oder Livno, erhielten sehr schnell ihren muslimischen Charakter, w\u00e4hrend eine solche Entwicklung in anderen Teilen Bosniens langsamer vonstattenging. In den St\u00e4dten Mostar und Sarajevo, die sich ab der Mitte des 15. Jahrhunderts stark entwickelten, war der Islam von Anfang an pr\u00e4sent.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Geschwindigkeit der Entwicklung war beeindruckend. In den ersten 15 Jahren hatten die Osmanen beispielsweise eine Moschee, einen Hamam, eine Br\u00fccke \u00fcber den Fluss Miljacka und den gro\u00dfen Markt im Herzen der Stadt errichtet. Obwohl ein Gro\u00dfteil der Stadt aufgrund eines ungarischen \u00dcberfalls 1480 niederbrannte, wurde die Stadt schnell wieder erbaut und erweitert.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Sarajevo erreichte seine Bl\u00fctezeit unter\u00a0<\/span><b>Gazi Husrev-beg<\/b><span style=\"font-weight: 400;\">, welcher neben der bekannten Moschee (Begova d\u017eamija) in der Altstadt Sarajevos unter anderem eine Bibliothek, einen Hamam und einen Bezistan (Markthalle) errichtete. Im Jahre 1530 gab es in Sarajevo 6 Br\u00fccken, 6 Hamams, 3 Bezistans, mehrere Bibltiotheken, 5 Medresen, mehr als 90 Mektebs und \u00fcber 100 Moscheen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Im weiteren Verlauf waren das 17. und das 18. Jahrhundert von Kriegen gekennzeichnet. Einer der wichtigsten Kriege, von dem sich das Osmanische Reich nie wirklich erholte, war der\u00a0<\/span><b>Krieg gegen Habsburg<\/b><span style=\"font-weight: 400;\">\u00a0von 1683 bis 1699. Nichtsdestotrotz konnten die Habsburger von den Osmanen zur\u00fcckgedr\u00e4ngt werden, aber der Vertrag von Karlowitz, der den Krieg 1699 beendete, zeigte, dass die Osmanen ihren Einfluss in Europa immer mehr verloren.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Ungarn und Siebenb\u00fcrgen wurden Habsburg und gro\u00dfe Territorien Dalmatiens und Griechenlands Venedig zugesprochen. Der Krieg, der bereits ein paar Jahre sp\u00e4ter folgte, brachte den Osmanen durch Prinz Eugen erneut eine gro\u00dfe Niederlage ein. Aber die bosnischen Verteidigungskr\u00e4fte hielten dennoch stand. Im Vertrag von Passarowitz im Jahre 1718 erhielt \u00d6sterreich schlie\u00dflich einen Streifen des bosnischen Territoriums s\u00fcdlich der traditionellen Grenze (Fluss Sava) und das venezianische Dalmatien zog weiter ins Landesinnere, womit eine Linie gezogen wurde, die seitdem die s\u00fcdwestliche Grenze von Bosnien bildet.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Als der Vertrag von Passarowitz seitens \u00d6sterreichs im Jahre 1736 verletzt wurde und die Habsburger in Bosnien eindrangen, vermuteten sie einen raschen Sieg. Sie hatten jedoch nicht mit\u00a0<\/span><b>Hekim-oglu Ali-pa\u0161a<\/b><span style=\"font-weight: 400;\">\u00a0gerechnet, der mit gro\u00dfer Geschicklichkeit die Verteidigung organisierte. Im darauffolgenden Jahr besiegte er die \u00f6sterreichische Armee in der\u00a0<\/span><b>Schlacht von Banja Luka<\/b><span style=\"font-weight: 400;\">\u00a0und die \u00d6sterreicher verzichteten auf das gesamte Gebiet s\u00fcdlich des Flusses Sava, abgesehen von einer Festung, woraus die n\u00f6rdliche Grenze Bosniens resultierte. In den n\u00e4chsten 50 Jahren erlitt Bosnien keine ausl\u00e4ndischen Invasionen, aber der Krieg, der 1788 begann, enthielt nun eine ernstere politische Dimension als seine Vorg\u00e4nger.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Es gab nun den Plan, die osmanischen Gebiete auf dem Balkan zu \u00fcbernehmen und sie daraufhin zwischen den christlichen Reichen \u00d6sterreich und Russland aufzuteilen. Bereits Anfang 1788 marschierten die\u00a0<\/span><b>\u00d6sterreicher in Bosnien<\/b><span style=\"font-weight: 400;\">\u00a0ein, wurden jedoch nicht als \u201eBefreier\u201c willkommen gehei\u00dfen. Bevor allerdings das \u201epolitische Muster\u201c des 19. Jahrhunderts vollkommen gebildet werden konnte, gab es durch die napoleonischen Kriege eine massive Unterbrechung des internationalen Systems. Als sich schlie\u00dflich die Franzosen im Jahre 1813 von den \u201eIllyrischen Provinzen\u201c zur\u00fcckzogen, wurde die \u00f6sterreichische Herrschaft wieder aufgenommen.<\/span><span style=\"font-weight: 400;\"><br \/>\n<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b>Literautur:<\/b><span style=\"font-weight: 400;\"><br \/>\n<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Noel Malcolm: Bosnia. A short History. London: Papermac 1994.<\/span><\/p>\n\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n<\/div><\/div><\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Bosnien unter den Osmanen Obwohl das\u00a0K\u00f6nigreich Bosnien\u00a0bereits im Jahre 1463 von den Osmanen erobert wurde, wurden die n\u00f6rdlichen Territorien vom ungarischen K\u00f6nig Matthias eingenommen. 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