{"id":1662,"date":"2021-06-26T21:17:39","date_gmt":"2021-06-26T19:17:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bhakademiker.org\/?page_id=1662"},"modified":"2021-06-26T21:17:39","modified_gmt":"2021-06-26T19:17:39","slug":"minderheiten-in-osterreich","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.bhakademiker.org\/de\/minderheiten-in-osterreich\/","title":{"rendered":"Minderheiten in \u00d6sterreich"},"content":{"rendered":"<div class=\"vc_row wpb_row row\"><div class=\"wpb_column vc_column_container vc_col-sm-12\"><div class=\"vc_column-inner\"><div class=\"wpb_wrapper\"><h3 class=\"no-margin-top \" >Minderheiten in \u00d6sterreich<\/h3>\n\t<div class=\"wpb_text_column wpb_content_element \" >\n\t\t<div class=\"wpb_wrapper\">\n\t\t\t<p><strong>1848-1918<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt zahlreiche Konfliktlinien im Vielv\u00f6lkerstaat der Donaumonarchie. Bedeutsam f\u00fcr die\u00a0<strong>slowenische Minderheit<\/strong>\u00a0im heutigen K\u00e4rnten sind sowohl die nationale als auch klerikale Bruchlinie. Die Minderheitenorganisationen sind vorwiegend im klerikalen Lager beheimatet, das der deutschliberalen und deutschnationalen Liberalisierung entgegen steht.<\/p>\n<p><strong>1918-1938<\/strong><\/p>\n<p>Im bis 1921 zu Ungarn geh\u00f6renden Burgenland kommt es zu keiner vergleichbaren nationalen Differenzierung der Bev\u00f6lkerung wie in K\u00e4rnten. Vielmehr entwickelt sich eine Art &#8220;<strong>Dorfethnos<\/strong>&#8220;, der die Weiterverwendung der lokalen Sprachen und Dialekte verst\u00e4rkt. Die politische Lagerbildung der Bev\u00f6lkerung, die weitgehend erst nach 1921 einsetzt, geht im Unterschied zu K\u00e4rnten quer durch alle Sprachgruppen.<\/p>\n<p><strong>1920<\/strong><\/p>\n<p>Ende des Ersten Weltkrieges sind Teile von S\u00fcdk\u00e4rnten von Jugoslawien besetzt, das auch nach dem Abschluss eines Waffenstillstandes versucht, seine Grenzen in den Norden zu verschieben. Es kommt zum sogenannten &#8220;<strong>K\u00e4rntner Abwehrkampf<\/strong>&#8220;. Gleichzeitig wird im Staatsvertrag von Saint Germain eine Volksabstimmung \u00fcber den Verbleib bei \u00d6sterreich oder eine Zugeh\u00f6rigkeit zu Jugoslawien beschlossen. Bei dieser Abstimmung sprechen sich am 10. Oktober 1920 59 Prozent der mehrheitlich\u00a0<strong>slowenischsprachigen S\u00fcdk\u00e4rntnerInnen<\/strong>\u00a0f\u00fcr einen Verbleib bei \u00d6sterreich aus.<\/p>\n<p><strong>1938-1945<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Gro\u00dfteil der deutschsprachigen Bev\u00f6lkerung in K\u00e4rnten keinen Widerstand gegen das Naziregime leistet oder dieses sogar unterst\u00fctzt, haben die SlowenInnen wesentlichen Anteil am Widerstand (Partisanenkampf) und werden als &#8220;Tito-Partisanen&#8221; verfolgt. Im Burgenland hingegen unterbleibt ein solcher national motivierter Widerstand. Sowohl deutschsprachige als auch Minderheitenangeh\u00f6rige unterst\u00fctzen das NS-Regime oder leisten Widerstand. Zugleich bleibt hier auch \u2013 mit Ausnahme der Roma und Juden \u2013 eine generelle Verfolgung von Minderheitenangeh\u00f6rigen aus.<\/p>\n<p><strong>1945<\/strong><\/p>\n<p>Die Befreiung \u00d6sterreichs 1945 hat f\u00fcr die Angeh\u00f6rigen der Sprachminderheiten in K\u00e4rnten und im Burgenland v\u00f6llig unterschiedliche Auswirkungen. In K\u00e4rnten kommt es zu einer Verst\u00e4rkung der traditionellen Konfliktlinien klerikal-antiklerikal durch die Konfliktlinie Widerstand versus Unterst\u00fctzung des Naziregimes. Im Burgenland spielt die Minderheitenfrage in der Landespolitik nach 1945 keine vergleichbare Rolle.<\/p>\n<p>Nach dem Vorbild Graub\u00fcndens wird der obligatorische zweisprachige Schulunterricht in S\u00fcdk\u00e4rnten eingef\u00fchrt.<\/p>\n<p><strong>1945-1995<\/strong><\/p>\n<p>Die Minderheitenpolitik ist \u2013 vorgegeben von den Alliierten \u2013 wesentlicher Teil der Staatsvertragsverhandlungen, in denen gleichfalls dem Widerstand \u00d6sterreichs gegen das NS-Regime eine gro\u00dfe Bedeutung zukommt.<\/p>\n<p><strong>1955<\/strong><\/p>\n<p>Abschluss des Staatsvertrages, in dem \u00d6sterreich seine vollst\u00e4ndige Souver\u00e4nit\u00e4t wieder erlangt. Die Rechte der SlowenInnen in K\u00e4rnten und in der Steiermark sowie der burgenl\u00e4ndischen KroatInnen werden im Artikel 7 des Staatsvertrages verankert.<\/p>\n<p><strong>1959<\/strong><\/p>\n<p>Ein neues Minderheitenschulgesetz und ein Gerichtssprachengesetz dr\u00e4ngen die\u00a0<strong>slowenische Sprache<\/strong>\u00a0in K\u00e4rnten in wenige soziale und geographische Nischen zur\u00fcck. Die \u00f6ffentliche Verwendung der slowenischen Sprache ist bestenfalls geduldet, in den Augen der offiziellen Landespolitik kommt sie meist einem \u00f6ffentlichen \u00c4rgernis gleich. Im Burgenland stellt die Verwendung der\u00a0<strong>Minderheitensprache<\/strong>\u00a0kein Problem dar, auch wenn ihre Verwendung im \u00f6ffentlichen Bereich nie durch eine Durchf\u00fchrungsverordnung geregelt wird.<\/p>\n<p><strong>1959-1971<\/strong><\/p>\n<p>Es kommt zu einer zw\u00f6lfj\u00e4hrigen &#8220;Pause&#8221; in der Minderheitenpolitik. Mit dem Beginn der\u00a0<strong>S\u00fcdtirolverhandlungen<\/strong>\u00a0wird aus au\u00dfenpolitischer R\u00fccksichtnahme die Minderheitenpolitik des Staates eingefroren. In der \u00f6ffentlichen Diskussion der sechziger Jahre werden die S\u00fcdtirolerInnen zum Inbegriff der &#8220;<strong>\u00f6sterreichischen Minderheit<\/strong>&#8220;. Nach den Bombenanschl\u00e4gen der fr\u00fchen sechziger Jahre in S\u00fcdtirol kommt es 1969 zur Einigung \u00d6sterreichs und Italiens \u00fcber das &#8220;<strong>S\u00fcdtirolpaket<\/strong>&#8220;, das 1972 in Kraft tritt und einen zahlenm\u00e4\u00dfigen Proporz der Sprachgruppen in allen Bereichen des \u00f6ffentlichen Lebens in S\u00fcdtirol vorsieht.<\/p>\n<p><strong>1972<\/strong><\/p>\n<p>Juli: Im Parlament wird das\u00a0<strong>Ortstafelgesetz<\/strong>\u00a0beschlossen und so Artikel 7 des Staatsvertrages entsprochen. Das von der Regierung Kreisky beschlossene Gesetz legt\u00a0<strong>zweisprachige Ortstafeln<\/strong>\u00a0f\u00fcr 205 K\u00e4rntner Ortschaften fest. Als Grundlage f\u00fcr die Auswahl der Ortschaften wurde ein Minderheitenanteil von 20 Prozent angenommen, basierend auf der Volksz\u00e4hlung 1971.<\/p>\n<p>September: Die ersten Tafeln werden in S\u00fcdk\u00e4rnten aufgestellt. Es folgt der Ortstafelsturm, bei dem Deutsch-K\u00e4rntner \u2013 unter publizistischer Sekundanz des KHD (K\u00e4rntner Heimatdienst) \u2013 die Schilder gewaltsam entfernen.<\/p>\n<p>Oktober: Das Aufstellen weiterer Tafeln wird gestoppt.<\/p>\n<p><strong>1976<\/strong><\/p>\n<p>Die weitere Vorgangsweise in Minderheitenfragen wird an eine Dreiparteieneinigung zwischen SP\u00d6, \u00d6VP und FP\u00d6 gekn\u00fcpft. Eine &#8220;<strong>geheime Erhebung der Muttersprache<\/strong>&#8221; wird beschlossen und am 1. Juli 1976 das Volksgruppengesetz verabschiedet. Ein wesentliches Element der politischen Umsetzung des Volksgruppengesetzes sollten die beim Bundeskanzleramt einzurichtenden Volksgruppenbeir\u00e4te sein. Da ihr Kompetenzspielraum aber auf unverbindliche Beratung beschr\u00e4nkt blieb, wurden sie von den meisten Minderheitenorganisationen abgelehnt. Den\u00a0<strong>Roma und Sinti<\/strong>\u00a0wurde die Anerkennung als Volksgruppe nach dem Volksgruppengesetz verwehrt, da sie nach Ansicht eines Verfassungsrechtlers &#8220;<strong>keine bodenst\u00e4ndige Minderheit<\/strong>&#8221; darstellen. F\u00fcr die Aufstellung zweisprachiger Ortstafeln gilt eine 25-Prozent-Klausel.<\/p>\n<p><strong>1977<\/strong><\/p>\n<p>Mai: Erlassung einer Topographieverordnung. Vorgesehen sind 91 Ortstafeln in K\u00e4rnten.<\/p>\n<p>Juni: Aufstellung erster zweisprachiger Schilder nach dem &#8220;Sturm&#8221;. Die bef\u00fcrchteten Ausschreitungen bleiben aus.<\/p>\n<p><strong>1980er Jahre<\/strong><\/p>\n<p>Aufgrund der durch das Volksgruppengesetz vorgegebenen &#8220;Minderheiten-Kriterien&#8221; (\u00f6sterreichische Staatsb\u00fcrgerschaft, nichtdeutsche Muttersprache, eigenes Volkstum, Prinzip der &#8220;Beheimatung&#8221;) beginnen sich einzelne Gruppen innerhalb der Minderheiten immer st\u00e4rker ethnisch zu &#8220;legitimieren&#8221;. Das Volksgruppengesetz und die damit verbundenen Mechanismen der Volksgruppenf\u00f6rderung schaffen ein ethnisch fundiertes Bewusstsein unter den Angeh\u00f6rigen der Sprachminderheiten und tragen zur Gr\u00fcndung verschiedener Gruppen bei.<\/p>\n<p>Die Anstrengungen von MinderheitenaktivistInnen verlagern sich zusehends auf die Ebene rechtsstaatlicher Entscheidungen. Einzelnen kroatischen MinderheitenaktivistInnen gelingt es, beim \u00d6sterreichischen Verfassungsgerichtshof die Aufhebung eines Teiles des Volksgruppengesetzes zu erwirken und auf dem Gebiet der Amtssprache die teilweise Implementierung der Bestimmungen des Artikel 7 des Staatsvertrages von 1955 zu erreichen.<\/p>\n<p><strong>1989<\/strong><\/p>\n<p>Die versiegende finanzielle Unterst\u00fctzung aus dem Mutterland und die Hoffnung, dass die F\u00fcrsprache einer nun befreundeten slowenischen Regierung in Wien auf mehr Geh\u00f6r sto\u00dfen werde, tr\u00e4gt ab 1989 wesentlich zur Beschickung des Volksgruppenbeirates durch die slowenischen Organisationen bei.<\/p>\n<p><strong>1992<\/strong><\/p>\n<p>Die Verlagerung der politischen Unterst\u00fctzung der Republik Ungarn von den\u00a0<strong>burgenl\u00e4ndischen Ungarn<\/strong>\u00a0auf die ungarischen Vereine in Wien f\u00fchrt 1992 zur Anerkennung der Wiener Ungarn \u2013 meist Fl\u00fcchtlinge der Jahre 1945, 1948 und 1956 \u2013 als Teil der ungarischen Volksgruppe.<\/p>\n<p>Als Reaktion auf die Losl\u00f6sung der Slowakei aus dem tschechoslowakischen Staatenverband wird ein eigener Volksgruppenbeirat f\u00fcr die\u00a0<strong>slowakische Volksgruppe<\/strong>\u00a0in Wien geschaffen.<\/p>\n<p><strong>1993<\/strong><\/p>\n<p>Nach langen Bem\u00fchungen gelingt es den\u00a0<strong>Roma und Sinti<\/strong>, als eigene Volksgruppe anerkannt zu werden.<\/p>\n<p><strong>1994-1995<\/strong><\/p>\n<p>Eine Serie von Briefbomben \u00fcberrollt \u00d6sterreich und richtet sich vor allem gegen Personen oder Einrichtungen, die sich f\u00fcr Minderheiten einsetzen. Die Bombenattentate in der\u00a0<strong>kroatischen Ortschaft Stinatz<\/strong>\u00a0(Burgenland) und in der\u00a0<strong>Roma-Siedlung in Oberwart<\/strong>\u00a0(vier Todesopfer) sind der entsetzliche H\u00f6hepunkt einer v\u00f6llig neuen, bisher ungekannten Welle von Gewalt gegen Minderheiten in \u00d6sterreich.<\/p>\n<p><strong>1997<\/strong><\/p>\n<p>Durch ein Erkenntnis des \u00d6sterreichischen Verfassungsgerichtshofes vom 23.12.1997 wird die\u00a0<strong>kroatische Sprache<\/strong>\u00a0als Amtssprache in sechs von sieben Bezirken des Burgenlandes eingef\u00fchrt. In K\u00e4rnten erwirkt ein Klagenfurter Arzt einen Entscheid, wonach das Recht auf Unterricht in der Muttersprache ortsunabh\u00e4ngig gelten und die widersprechenden Bestimmungen des Minderheitenschulgesetzes von 1959 aufgehoben werden sollen. Gegen den Widerstand von Landeshauptmann Haider, der wiederholt erkl\u00e4rt hatte, in Klagenfurt keine slowenisch- und deutschsprachige Schule zuzulassen, wird in der K\u00e4rntner Landeshauptstadt eine zweisprachige Volksschule eingerichtet.<\/p>\n<p><strong>1998<\/strong><\/p>\n<p>In \u00d6sterreich tritt am 1. Juli das Rahmen\u00fcbereinkommen zum Schutz nationaler Minderheiten in Kraft. Mit ihm soll ein europaweiter Standard f\u00fcr die Rechte der Volksgruppen geschaffen werden.<\/p>\n<p><strong>2000<\/strong><\/p>\n<p>Die grundlegenden Rechte der Volksgruppen werden in die \u00f6sterreichische Bundesverfassung aufgenommen.<\/p>\n<p>Auf Basis einer neuen Topographieverordnung werden im Burgenland die ersten zweisprachigen Ortstafeln \u2013 insgesamt 51 Ortstafeln \u2013 aufgestellt, nachdem in K\u00e4rnten bereits 1972 mit der Errichtung zweisprachiger Ortstafeln begonnen worden war.<\/p>\n<p><strong>2001<\/strong><\/p>\n<p>Am 10. Mai genehmigt der Nationalrat die Europ\u00e4ische Charta der Regional- und Minderheitsprachen samt Erkl\u00e4rungen. V\u00f6lkerrechtlich tritt diese am 1. Oktober 2001 in Kraft.<\/p>\n<p>Aufgrund einer Klage beim Verfassungsgerichtshof hebt der Verfassungsgerichthof am 13. Dezember die &#8220;Ortstafelregelung&#8221; im Volksgruppengesetz auf. Grund hierf\u00fcr ist ein Widerspruch zum Staatsvertrag, wonach die Beschr\u00e4nkung des Anbringens zweisprachiger topographischer Bezeichnungen auf Gebietsteile mit mehr als 25 Prozent nicht-deutschsprachigen Volksgruppenangeh\u00f6rigen mit diesem nicht vereinbar ist. K\u00fcnftig soll es bereits in Ortschaften ab 10 Prozent anderssprachiger B\u00fcrgerInnen zweisprachige topographische Aufschriften geben, wobei dies in Zukunft nicht nur f\u00fcr Gemeinden, sondern auch f\u00fcr Ortsteile gelten soll. Erm\u00f6glicht hatte das Urteil der Slowenenfunktion\u00e4r Rudi Vouk, der nach einer Selbstanzeige wegen zu schnellen Fahrens im einsprachig beschilderten Ortsgebiet von St. Kanzian den Instanzenweg bis zum H\u00f6chstgericht gegangen war.<\/p>\n<p><strong>2001\/2002<\/strong><\/p>\n<p>Der K\u00e4rntner Landeshauptmann Haider greift das Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofs vom 13. Dezember 2001, den Pr\u00e4sidenten des Verfassungsgerichtshofes Ludwig Adamovich und den Verfassungsgerichtshof an und k\u00fcndigt an, keine weiteren Ortstafeln in K\u00e4rnten zu errichten. Ein Amtsenthebungsverfahren gegen Adamovich, das von diesem selbst zur Ausr\u00e4umung aller Anschuldigungen angestrebt wurde, ergibt, dass er sich nichts zu Schulden kommen lie\u00df.<\/p>\n<p><strong>2002<\/strong><\/p>\n<p>Fr\u00fchjahr: Kanzler Sch\u00fcssel beruft eine &#8220;Konsenskonferenz&#8221; ein. Das Treffen scheitert am Nein der Slowenen-Vertreter, sie wollen auf Grund des VfGH-Erkenntnisses vom Dezember 2001 zweisprachige Ortstafeln in 394 Ortschaften. Die FP\u00d6 fordert eine Volksbefragung \u00fcber weitere zweisprachige Ortstafeln in K\u00e4rnten.<\/p>\n<p><strong>2003<\/strong><\/p>\n<p>April: Die Entscheidung des Verfassungsgerichtshofes \u00fcber die K\u00e4rntner Ortstafeln ist noch nicht umgesetzt. Nach der Rechtsauslegung der K\u00e4rntner SlowenInnen h\u00e4tten 394 zus\u00e4tzliche Ortstafeln aufgestellt werden m\u00fcssen; Landeshauptmann Haider billigte den SlowenInnen jedoch nur 148 Tafeln zu, was von diesen abgelehnt wurde.<\/p>\n<p><strong>2005<\/strong><\/p>\n<p>April: Der von Bundeskanzler Sch\u00fcssel beauftragte Historiker Stefan Karner pr\u00e4sentiert einen Kompromissvorschlag. Nach diesem sollen in allen Gemeinden mit mehr als zehn Prozent und Ortschaften mit mehr als 15 Prozent Slowenenanteil zweisprachige Ortstafeln aufgestellt werden (insgesamt 158 Ortstafeln).<\/p>\n<p>Mai: Als Ergebnis der &#8220;K\u00e4rntner Konsenskonferenz&#8221; werden erstmals seit Jahrzehnten in f\u00fcnf Ortschaften die seit der Topographieverordnung von 1977 ausst\u00e4ndigen Tafeln enth\u00fcllt.<\/p>\n<p>Oktober: Der Rat der K\u00e4rntner Slowenen droht, wegen des Ortstafelstreits vor den Europ\u00e4ischen Gerichtshof f\u00fcr Menschenrechte zu gehen. Andere Slowenen-Organisationen wollen hingegen weiter auf Gespr\u00e4che setzen.<\/p>\n<p>Dezember: Der Verfassungsgerichtshof gibt einer neuerlichen Beschwerde des Slowenen-Vertreters Vouk Recht und fordert die Aufstellung zus\u00e4tzlicher zweisprachiger Ortstafeln in Bleiburg und Bleiburg-Ebersdorf bis Ende Juni 2006. Haider droht den VfGH-Pr\u00e4sidenten Karl Korinek mit Klage.<\/p>\n<p><strong>2006<\/strong><\/p>\n<p>J\u00e4nner: Landeshauptmann Haider startet eine schriftliche Umfrage zur Aufstellung weiterer zweisprachiger Ortstafeln. Die Ortstafelfrage sei, so Haider, &#8220;ausschlie\u00dflich eine Sache des Volkes und somit des Parlamentes&#8221; und nicht des Verfassungsgerichtshofes. Trotz Aufforderung des Bundespr\u00e4sidenten, das Verfassungsgerichtshofserkenntnis umzusetzen, h\u00e4lt Haider an seinem bisherigen Kurs fest. In K\u00e4rnten kursiert eine SMS-Botschaft, in der es hei\u00dft, mit dem \u00d6ffnen der Nachricht habe der Empf\u00e4nger einen &#8220;K\u00e4rntner Slowenen get\u00f6tet&#8221;.<\/p>\n<p>Februar: Landeshauptmann Haider verr\u00fcckt eigenh\u00e4ndig Ortstafeln in Bleiburg und k\u00fcndigt des Weiteren an, auf s\u00e4mtliche Urteile des Verfassungsgerichtshofes mit dem Verr\u00fccken bestehender Ortstafeln zu reagieren. In einer geplanten Volksbefragung sollen sich die K\u00e4rntnerInnen f\u00fcr eine von drei unterschiedlichen Varianten f\u00fcr die Regelung der Ortstafelfrage aussprechen: Ortstafeln bei 15 Prozent slowenischer Bev\u00f6lkerung, bei 20 Prozent oder \u00fcberhaupt keine neuen Ortstafeln. Nach den vom Verfassungsgericht vorausgesetzten 10 Prozent soll nicht gefragt werden.<\/p>\n<p><strong>2010<\/strong><\/p>\n<p>Der \u00f6sterreichische und der slowenische Au\u00dfenminister (Michael Spindelegger und Samuel Zbogar) bekr\u00e4ftigen \u00f6ffentlich, dass die Frage der zweisprachigen Ortstafeln m\u00f6glichst rasch einvernehmlich gel\u00f6st werden solle.<\/p>\n<p><strong>2011<\/strong><\/p>\n<p>Im Fr\u00fchling 2011 konnte letztlich eine Einigung erreicht werden: Staatssekret\u00e4r Josef Ostermayer handelten mit dem damaligen K\u00e4rntner Landeshauptmann Gerhard D\u00f6rfler und den Vertretern der SlowenInnen Marjan Sturm, Bernard Sadovnik und Valentin Inzko einen Kompromiss aus, der die Aufstellung von insgesamt 164 zweisprachigen Ortstafeln vorsieht.<\/p>\n<p><strong>Quellen:<\/strong><\/p>\n<p>Baumgartner, Gerhard \/ Perchinig, Bernard: Minderheitenpolitik. In: Dachs, Herbert u.a. (Hg.): Handbuch des politischen Systems \u00d6sterreichs. Die Zweite Republik, 3. Aufl., Wien 1997, S. 628-640<\/p>\n<p>Letztes Update: 11\/2015<\/p>\n\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n<\/div><\/div><\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Minderheiten in \u00d6sterreich 1848-1918 Es gibt zahlreiche Konfliktlinien im Vielv\u00f6lkerstaat der Donaumonarchie. Bedeutsam f\u00fcr die\u00a0slowenische Minderheit\u00a0im heutigen K\u00e4rnten sind sowohl die nationale als auch klerikale Bruchlinie. Die Minderheitenorganisationen sind vorwiegend im klerikalen Lager beheimatet, das der deutschliberalen und deutschnationalen Liberalisierung entgegen steht. 1918-1938 Im bis 1921 zu Ungarn geh\u00f6renden Burgenland kommt es zu keiner vergleichbaren nationalen Differenzierung der Bev\u00f6lkerung wie in K\u00e4rnten. Vielmehr entwickelt sich eine Art \"Dorfethnos\", der die Weiterverwendung der lokalen Sprachen und Dialekte verst\u00e4rkt. 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