Lebring 2026

Wie jedes Jahr am letzten Sonntag im Oktober fand auch heuer, am 25. Oktober 2026, die Gedenkveranstaltung für die Opfer der Weltkriege am Soldatenfriedhof in Lebring südlich von Graz statt.

Der Soldatenfriedhof, auch als Bosniakenfriedhof bekannt, umfasst 1.233 Gräber von Soldaten aus 19 Infanterieregimentern der k.u.k. Armee. Unter den Bestatteten befinden sich 805 Bosnier, die damals als Bosniaken bezeichnet wurden. Das Zweite Bosnisch-Herzegowinische Regiment, die höchstausgezeichneten Einheiten der österreichisch-ungarischen Armee, trug am 7. Juni 1916 maßgeblich zum Sieg in der Schlacht am Monte Meletta Fior bei.

An der Gedenkfeier zu Ehren der gefallenen Soldaten, insbesondere jener des Zweiten Bosnisch-Herzegowinischen Regiments, nahmen Vertreter österreichischer, bosnischer,  italienischer und bosnischer Organisationen in Österreich teil. Im Namen der Gesellschaft Bosnischer Akademiker in Österreich und des Rates der Österreichischen Bosnier legten Siradj Duhan und Alen Suljagić Kränze nieder.

Im Rahmen der Zeremonie überreichte der Rat der Österreichischen Bosnier Ehrenplaketten an Joachim Schnabel, Abgeordneten zum Nationalrat und Bürgermeister von Lebring, sowie an Oberst i. R. Wolfgang Wildberger und Oberst i. R. Dieter Allesch.

Laudatio von Siradj Duhan, Präsident des Rates der Österreichischen Bosnier

Liebe Freunde,

Bei unseren Treffen in Lebring haben wir gelernt: Wer die Geschichte kennt, versteht die Gegenwart besser und gestaltet die Zukunft verantwortungsbewusster. Wir erinnerten uns auch an die Worte von Hauptmann Gandini, wonach die Österreicher sich dauerhaft und mit Dankbarkeit an die Söhne Bosnien und Herzegowinas erinnern sollten.

Heute möchten auch wir, die österreichischen Bosnier – Nachkommen jener Söhne Bosnien und Herzegowinas, von denen einige auch hier ihre letzte Ruhe gefunden haben –, mit demselben Gefühl der Dankbarkeit jenen Österreichern unsere Anerkennung aussprechen, die den nachfolgenden Generationen von Bosniern in einer der schwierigsten Zeiten unserer jüngeren Geschichte die Hand gereicht haben.

In den 1990er-Jahren, während der Aggression gegen Bosnien und Herzegowina, der Zerstörung des kulturellen Erbes und des Völkermords, zeigten viele Menschen in Österreich Menschlichkeit, Solidarität und Hilfsbereitschaft. Sie boten zahlreichen Menschen aus Bosnien und Herzegowina Schutz, Bildung und Beschäftigung und ermöglichten ihnen damit, ein neues Leben aufzubauen und einen wertvollen Beitrag zur österreichischen Gesellschaft zu leisten.

Ihre Taten waren nicht nur Ausdruck menschlicher Güte – sie waren auch Brücken, die unsere Völker miteinander verbanden, das gegenseitige Vertrauen stärkten und das Fundament für eine gemeinsame Zukunft legten.

Der Rat der österreichischen Bosnier:innen hat beschlossen, heute drei Persönlichkeiten unseren besonderen Dank auszusprechen, die durch ihr Wirken das Verständnis zwischen den Völkern gefördert und bessere Perspektiven für die Generationen der österreichischen Bosnier geschaffen haben:

Oberst i.R. Dieter Allesch, Oberst i.R. Wolfgang Wildberger sowie Joachim Schnabel, Abgeordneter zum Nationalrat und Bürgermeister von Lebring

Mit ihrem Beispiel möchten wir daran erinnern, dass Menschlichkeit, Solidarität und gegenseitiger Respekt Spuren hinterlassen, die Zeit und Grenzen überdauern.

Heute bringen wir nicht nur unsere Dankbarkeit zum Ausdruck für das, was in der Vergangenheit getan wurde. Wir bekräftigen zugleich unseren Willen, an einer Gesellschaft mitzuwirken, in der die Geschichte in Erinnerung bleibt und die Freundschaft zwischen unseren Völkern an kommende Generationen weitergegeben wird.

Vielen Dank!